Alltag hinter den Theaterkulissen

Erfahrungsbericht von Louisa Sausner, Freiwillige 17/18 im Künstlerischen Betriebsbüro der Münchner Kammerspiele

Einen täglichen Ablauf gibt es im Theater eigentlich nicht! Schon gar nicht im Künstlerischen Betriebsbüro. Na gut, jeden Morgen geht es mit dem Tagesplan für den Tag los, und die Schlüssel für die Schauspieler und Musiker, die in den Theaterwohnungen unterkommen, müssen vorbereitet werden. Gearbeitet wird in Schichten, eine meiner Kolleginnen kommt von 09:00 bis 17:00 Uhr, die andere von 12:00 Uhr bis 30 min vor Vorstellungsbeginn. So ist auf jeden Fall ganztägig jemand da.

„Und? Steht schon was an?“

Die erste Frage beim Betreten des Büros ist immer: „Und? Steht schon was an?“. Und in der Regel steht was an! Ob es nun ein kränkelnder Schauspieler ist, der dringend zum Arzt geschickt werden muss oder ein Streik bei der Lufthansa, der dazu führt, dass man alle Schauspieler, die eigentlich zur Abendvorstellung anfliegen sollten, möglichst schnell auf Züge buchen muss. Auch Vorstellungsänderungen können vorkommen. Neben den beteiligten Schauspielern, Musikern, Regieassistenten, Inspizienten, Souffleusen, … der Produktionen müssen natürlich auch die Feuerwehr, die Kasse, die Gewerke, schlussendlich das ganze Haus, informiert werden!

Aber es gibt auch Tage, da steht erst einmal nichts an. Da kann man dann in Ruhe an der Organisation von Gastspielen herumpuzzeln und beispielsweise brasilianische Arbeitsvisa für 35 Personen beantragen oder einfach entspannt für Gastschauspieler, Musiker oder Regieteams Reisen buchen.

Eine große Erinnerungsmaschinerie

Außerdem wird im Künstlerischen Betriebsbüro der Spielplan mehrmals Korrektur gelesen und sämtliche Änderungen müssen in die Datenbank eingepflegt werden. Wochenpläne wollen erstellt und verschickt werden, die Tages- und Monatsinserate für die Zeitungen ebenso.
Vor dem Wochenende wird noch einmal eine große Erinnerungsmaschinerie in Gang gesetzt: Wer kommt wann und übernachtet wo? Welche Vorstellung beginnt um wie viel Uhr? Wer muss aus den Theaterwohnungen ausziehen? Schlussendlich soll ja alles glatt laufen!
Zwischendurch finden Modellabgaben, Bauproben, hausöffentliche Proben, Regiesitzungen, Personalversammlungen, das Zentrale Absolventenvorsprechen oder das Einsatzstellenleitertreffen des FSJ Kultur statt… man bleibt immer beschäftigt!

Ich denke, ich kann von meiner Einsatzstelle wirklich behaupten: Es war nie langweilig, dafür spannend, ab und an aufregend und oft sehr lustig!